Kantine3000 feat. Marcus Staiger: »Die Revolution wird ausdiskutiert. Reportage aus Rojava«

FILE - In this Sunday, March. 3, 2013 file photo, Kurdish female members of the Popular Protection Units stand guard at a check point near the northeastern city of Qamishli, Syria. Syria’s Kurds have dramatically strengthened their hold on the far northeast reaches of the country, carving out territory as they drive out Islamic militant fighters allied to the rebellion and declaring their own civil administration in areas under their control this week amid the chaos of the civil war. The moves could be a first step toward creating an autonomous region similar to one Kurds run across the border as virtually a separate country within Iraq. But the Kurds’ drive has angered rebels fighting to topple Syrian President Bashar Assad. It even worries some Kurds, who suspect the main faction leading the fighting and the new administration is actually acting on behalf of Assad to undermine the rebellion.(AP Photo/Manu Brabo, File)

21. SEPTEMBER | 19 UHR | ROTE FLORA

Marcus Staiger wurde 1971 in Süddeutschland geboren und zog nach dem Abitur nach Berlin. Mit Gelegenheitsjobs hielt er sich über Wasser, arbeitet als Koch und Journalist, begann ein VWL- und Philosophie-Studium und gründete 1998 das Rap-Label Royalbunker. Mit diesem beeinflusste er nachhaltig die deutsche Hip-Hop Szene, entdeckte zahlreiche wichtige Rap-Künstler und Gruppen bevor er im Jahr 2008 für drei Jahre die Chefredaktion der Internetplattform rap.de übernahm.
Seit 2011 arbeitet Staiger als Industriekletterer, freier Autor und Moderator für Medien wie SPEX, Berliner Zeitung, FAZ, JUICE, vice, noisey, vice.TV und 2014 erschien sein Roman „Die Hoffnung ist ein Hundesohn“. Zurzeit schreibt er an seinem zweiten Buch, einer Reportage-Erzählung über eine Reise nach Rojava in Nordsyrien, wo gerade eines der spannendsten gesellschaftlichen Projekte der Moderne stattfindet.
Seit ungefähr drei Jahren ist Marcus Staiger auch in antirassistischen Zusammenhängen aktiv und beschäftigt sich hauptsächlich mit den politischen Rahmenbedingungen, die Menschen zu Geflüchteten machen und unter denen diese dann leben müssen. Er sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Verhältnissen, die auf der einen Seite die Menschen zu Flucht und Migration zwingen und den Verhältnissen, unter denen diese Menschen dann wiederum hierzulande zu leiden haben. Unter dem Motto „Solidarität muss politisch werden“, versucht er im Rahmen seiner Arbeit beim „Bündnis für bedingungsloses Bleiberecht“ aus Berlin, in Zusammenarbeit mit Betroffenen, politische Inhalte in die praktische Arbeit mit Geflüchteten einzubringen. Denn die Gesetze und wirtschaftlichen Regeln unter denen die Welt zu leiden hat, werden zu großen Teilen in den Zentren der westlichen Welt gemacht.
Im Oktober 2015 reiste Marcus Staiger nach Rojava in Nordsyrien, weil er sich mit eigenen Augen von der gelebten Utopie überzeugen wollte, von der in westeuropäischen linken Kreisen so gerne erzählt und geschwärmt wird. Statt des Paradieses auf Erden erlebte er allerdings eine Gesellschaft im Umbruch und Widerspruch. Eine Gesellschaft, die sich im permanenten Diskurs befindet, darüber wie sie leben will. Abgeschnitten von der Hilfe der westlichen Welt, wirtschaftlich geschwächt durch mehrere Embargos, verwickelt in einen Krieg mit dem sogenannten Islamischen Staat, versuchen die Aktivistinnen und Aktivisten der Kurdischen Freiheitsbewegung, die Ideen einer ökologischen basisdemokratischen und geschlechterbefreiten Gesellschaftsordnung voran zu bringen. Marcus sprach mit Vertreterinnen und Vertretern der Justizakademie und der Frauenrats des Kantons Cizre. Er sprach mit Ärzten und Freiwilligen, die ihre Heimat in Westeuropa verlassen haben, um sich dem Projekt Rojava anzuschließen. Er sprach mit Künstlern aus Holland, die ihre ganz eigenen Erfahrungen in Sachen Basisdemokratie machen durften und mit Vertreterinnen der MLKP, die eine wichtige Rolle in der Organisation der Internationalen Brigaden in Rojava spielen. Er ging der Frage nach, ob die Entwicklung in Rojava tatsächlich als Revolution zu bewerten ist und was die Kurdische Freiheitsbewegung unter der Führung der PKK so erfolgreich gemacht hat, dass sie nun tatsächlich die Grundlagen für eine staatenähnliche Verwaltungseinheit schaffen konnten, eine Einheit, die aber eben kein Staat und keine Gewalt sein will.
Mit einer Vielzahl von kleinen Alltagsbeschreibungen, Auszügen aus Interviews und Gesprächen, sowie einer Unmenge an Fotos versucht Marcus an diesem Abend einen Eindruck von seinen Erlebnissen und Erfahrungen zu vermitteln und einige dieser Fragen zu beantworten. Gemeinsam im Gespräch, lassen sich offene Zweifel und Widersprüche vielleicht klären, während sich neue Fragen ergeben werden. Insofern stellt auch dieser Vortrag nur ein weiteres Gesprächsangebot dar, auf der Suche nach einer Alternative zu dem, was ist. Die Revolution wird ausdiskutiert. Venceremos!

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Kantine 3000 Spezial feat. Imke Müller-Hellmann »Verschwunden in Deutschland«

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14. SEPTEMBER | 19 UHR | ROTE FLORA

KANTINE3000, das monatliche Kulturgedöns mit Barabend in der Roten Flora – wie stets mit stilvollen Getränken (Champagner), Essbarem (Kuchen, Muffins, Canapés) und Bier (Bier) – ist zurück aus der Sommerpause, mit einer KANTINE3000 Spezial.

Diesmal mit Lesung und Gespärch mit der Autorin Imke Müller-Hellmann, die ihr Buch »Verschwunden in Deutschland« vorstellt.

Engerhafe, ein Flecken in Ostfriesland, 1944: Das Konzentrationslager der Nationalsozialisten liegt mitten im Dorf, ein abgelegenes Außenlager des KZ Neuengamme, errichtet für 62 Tage zum Bau des Friesenwalls. 2000 Gefangene, ausgesetzt der Kälte, dem Hunger und dem Prügeln der Wächter. 68 Polen, 47 Niederländer, 21 Letten, 17 Franzosen, 9 Russen, 8 Litauer, 5 Deutsche, 4 Esten, 3 Belgier, 2 Italiener, 1 Slowene, 1 Spanier, 1 Tscheche und 1 Däne sterben.
Engerhafe heute: Ein Stein auf dem Friedhof erinnert an die 188 Ermordeten. Wer ist hier begraben? , fragt Imke Müller-Hellmann ihre Großmutter, die 1944 27 Jahre alt war und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lager lebte. Die Großmutter schwieg und konnte sich den Namen nicht zuwenden, sagt Müller-Hellmann, aber ich kann es.
Elf Familien der KZ-Opfer macht sie ausfindig. Sie reist zu ihnen nach Frankreich, Polen, in die Niederlande, nach Dänemark, Spanien, Lettland und Slowenien. Dort hört sie von Widerstandsgruppen und Partisanen, vom Spanischen Bürgerkrieg und vom Warschauer Aufstand, vom Schweigen in den Familien und dem Leid der Hinterbliebenen. Sie schreibt das Gehörte auf und gibt den Toten damit ihre Geschichten zurück.

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Kantine3000 goes Antifa-Tresen: »Ich bin immer noch militant« (Gespräch über Biographien jüdischer Linker)

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15. JULI | 19 UHR | ROTE FLORA
Klaus Rózsa (Jahrgang 1954) und Wolfgang Seibert (Jahrgang 1947) haben beide eine linksradikale wie auch jüdische Biographie. Passt das gut zusammen?

Bei der KANTINE3000 im Juli werden beide zu Gast sein und darüber diskutieren; über ihr jüdisches und linkes Selbstverständnis, über Enttäuschungen und Resignation, über neue Hoffnungen, Antisemitismus & die Linke.
Der Fotograf Rózsa, mittlerweile in Budapest wohnhaft, war in der Schweiz lange Zeit in der linken Szene aktiv und wurde dort jahrelang von der Bundespolizei observiert. Nach einem reflektierenden Treffen mit alten Genoss*innen wendete er sich in den 1990er Jahren von der Unterstützung nationaler Befreiungsbewegungen ab, die bis dato von Teilen der Linken vollkommen unkritisch betrieben wurde. Beispielsweise galt die sogenannte palästinensische Befreiungsbewegung in der Linken jahrzehntelang als Verbündete, ihr Antisemitismus wurde dabei oft bereitwillig ausgeblendet – oder sogar mitgetragen.

Wolfgang Seibert ist der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Pinneberg. Um 1968 war er im SDS aktiv, Jahre später wurde er wegen anarchistischer Umtriebe aus der DKP ausgeschlossen. Entsetzt über den Hass auf Israel und stalinistische Tendenzen in damaligen kommunistischen Gruppen wandte er sich Mitte der 1970er enttäuscht von der Linken ab. Sein antifaschistisches Engagement sowie positive Erlebnisse mit linken Gruppen brachten ihn Anfang des 21. Jahrhunderts wieder zurück zur Politik. Über sich selbst sagt er: »Ich bin immer noch militant«.

KANTINE3000, das monatliche Kulturgedöns mit Barabend in der Roten Flora – wie stets mit stilvollen Getränken (Champagner), Essbarem (Kuchen, Muffins, Canapés) und Bier (Bier).

Aus terminlichen Gründen wird diese KANTINE3000 nicht an einem Mittwoch, sondern an einem Freitag stattfinden. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Antifa-Tresen, der regelmäßig jeden dritten Freitag im Monat in der Roten Flora stattfindet.

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KANTINE3000 feat. Rehzi Malzahn: »dabei geblieben. Aktivist_innen erzählen vom Älterwerden und Weiterkämpfen«

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15. JUNI 2016 | 19 UHR | ROTE FLORA:
Seit Jahrzehnten ist die Linke in Deutschland vornehmlich eine Jugendbewegung. Spätestens Anfang 30 steigen die meisten aus. Was aber ist mit denen, die ›dabei geblieben‹ sind? Für ihr Buch »dabei geblieben. Aktivist_innen erzählen vom Älterwerden und Weiterkämpfen« führte Rehzi Malzahn dreißig Interviews, in denen sie der Frage auf den Grund ging, was diejenigen Aktivis_innen bewegt, die auch mit Mitte 30, 50, 60 noch auf die Straße gehen, Aktionen planen oder auf vielen anderen Wegen ihre radikale Kritik an den Verhältnissen ausdrücken.

Die Interviewten gehören verschiedenen linken Bewegungen an. Sie blicken auf ihr Leben und erzählen, wie alles angefangen hat, woran sie verzweifelt sind, was sie ermutigt oder wie sie mit Frust umgehen. Sind Job und Familie wirklich Gründe, um den Einsatz für eine radikal andere, bessere Welt aufzugeben – oder sind das nur vorgeschobene Gründe an einem Punkt, wo man von vielen Fragen nicht mehr berührt wird?
Ein Buch für alle Generationen und Lebenswege: Wer auch noch ›dabei ist‹, liest, wie es den Anderen damit geht. Wer ausgestiegen ist, erfährt etwas über das Leben, für das er_sie sich nicht entschieden hat. Wer ›dabei bleiben‹ will, findet Anregungen dazu. Wer Pause macht, kann über die Bedingungen des Aktivseins reflektieren, und wer nie ›dabei war‹, bekommt einen Einblick in das Leben derjenigen, für die der Kampf um eine bessere Welt eng mit dem eigenen Dasein verknüpft ist.

KANTINE3000, das monatliche Kulturgedöns mit Barabend in der Roten Flora – wie stets mit stilvollen Getränken (Champagner), Essbarem (Kuchen, Muffins, Canapés) und Bier (Bier).

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KANTINE3000 feat. Karsten Krampitz: »Die DDR in der Krise«

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18. MAI 2016 | 19 UHR | ROTE FLORA:
Es hätte so schön sein können: Vor vierzig Jahren wurde der Palast der Republik eröffnet. Bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal errang die DDR vierzig Goldmedaillen, der »Arbeiter- und Bauernstaat« war zur olympischen Weltmacht aufgestiegen. Erich Honecker löste Willi Stoph im Amt des Staatsratsvorsitzenden ab und war nun auch nominell der erste Mann im Staat. Und doch war das Jahr 1976 eine Zäsur in der Geschichte der DDR. Ein Erosionsprozess nahm seinen Anfang, der schließlich den SED-Machtapparat einstürzen ließ. Denn Erich Honecker hatte im Frühjahr nichts Besseres zu tun als eine Anthologie zu verbieten: »Berliner Geschichten«, herausgegeben von den Schriftstellern Ulrich Plenzdorf, Klaus Schlesinger und Martin Stade.

Evangelische Bischöfe stritten über das Parteiprogramm der SED im Vorfeld des IX. Parteitags. In Ostberlin ätzte Santiago Carrillo gegen Breschnews Betonkommunismus – und im SED-Zentralkomitee zeigte man sich entsetzt, ob der »unqualifizierten Ausfälle« des spanischen KP-Chefs.
Dennoch wurde Carrillos Rede ungekürzt im neues deutschland gedruckt. 1976 starben zwei Menschen an der Grenze: Michael Gartenschläger, ein freigekaufter Ex-Häftling, der innerhalb eines Monats dreimal an dieselbe Stelle der Grenze gegangen war, um dort Selbstschussapparate abzumontieren, und Benito Corghi, ein italienischer Fernfahrer, der von einem DDR-Grenzer am Grenzübergang erschossen wurde.

Doch anders als Gartenschläger war Corghi kein »Provokateur«, vielmehr ein Familienvater, der seiner Arbeit nachgehen wollte und noch dazu Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens war. Am 18. August geschah das Unvorstellbare: Auf dem Marktplatz in Zeitz übergoss sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz mit Benzin und zündete sich an. Drei Monate später wurde Wolf Biermann ausgebürgert und Robert Havemann unter Hausarrest gestellt.

Der Schriftsteller und Historiker Karsten Krampitz liefert mit »1976. Die DDR in der Krise« (Verbrecher Verlag) einen profunden Beitrag zur Aufarbeitung der Aufarbeitung – ohne Verklärung und ohne Dämonisierung der DDR.

KANTINE3000, das monatliche Kulturgedöns mit Barabend in der Roten Flora – wie stets mit stilvollen Getränken (Champagner), Essbarem (Kuchen, Muffins, Canapés) und Bier (Bier).

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KANTINE3000 feat. Thomas Ebermann: Germans on the rise

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Überall in Deutschland schlagen »Besorgte Bürger« Alarm beziehungsweise Flüchtlinge zusammen. Um Unterkünfte in der Nachbarschaft zu verhindern, greift der Mob immer öfter zum Benzinkanister – oder in Nobelstadtteilen wie Hamburg-Blankenese zum Telefon, um einen Anwalt einzuschalten. Was in der Bundesrepublik jahrzehntelang als undenkbar galt – eine etablierte Partei rechts der CDU – ist mittlerweile in Gestalt der AfD bittere Realität. Ursprünglich als rechtskonservative Professorenpartei bestimmter Fraktionen des deutschen Unternehmerkapitals gegründet, ist sie seit der Abwahl von Bernd Lucke zum Türöffner genuin faschistischer und völkischer Milieus geworden. Nicht trotz, sondern wegen dieses parteiinternen Rechtsrucks ist die AfD derzeit erfolgreich wie nie: Bei den Landtagswahlen vor wenigen Wochen konnte sie bis zu 24 Prozent erzielen. Dabei ist sie ausgerechnet in jenen Milieus (Arbeitslose, Geringverdienende) überdurchschnittlich erfolgreich, die das autoritär-neoliberale Programm der AfD eigentlich fürchten müssten.

Noch dramatischer als eine etablierte Rechtspartei ist allerdings der Rechtsruck im Rest der Gesellschaft: Alle anderen Parteien übernehmen in Wort und Tat fleißig Positionen der AfD. Und spätestens seit der Silvesternacht in Köln beziehungsweise dem folgenden rassistischen und sexistischen Diskurs ist auch in linksliberalen Zeitungen das wutbürgernde »Es reicht jetzt mit unserer Geduld gegenüber Flüchtlingen« zur Blattlinie geworden.

Eingeleitet wurde das, was in Zeitungen, Politikerreden und Volkes Mund als »Flüchtlingskrise« firmiert, mit einer kurzen Phase letzten Sommer, in der es Antifa-Parolen wie »Refugees welcome« sogar auf die Titelseite der BILD schafften. Dieser Hype, der schnell mit der Floskel der »Willkommenskultur« in die nationale Meistererzählung des guten, weltoffenen Deutschlands integriert wurde, erleichterte es Angela Merkel & Co, moralisch sauber dazustehen, während sie die Kernsanierung der Festung Europa reibungslos umsetzten und das Asylrecht verschärften. Während die Forderung Frauke Petrys, an der Grenze notfalls auf Flüchtlinge schießen zu lassen, auf allen Kanälen skandalisiert wird, verschärft Merkel ungestört die militärische Abschirmung der europäischen Außengrenze, zuletzt durch den EU-Pakt mit Massenmörder Erdogan. Und was ist, polemisch formuliert, eigentlich schon von Flüchtlingshilfe in einem Land zu halten, in dem die Redewendung »Dir werde ich schon helfen« in der Regel als Drohung gemeint ist?

In Frankreich gehen dieser Tage hunderttausende Schüler*innen und Studierende auf die Straße, um sich mit antirassistischen Parolen und Pflastersteinen an einer Beantwortung der sozialen Frage zu versuchen. In Deutschland herrscht dagegen wie stets soziale Friedhofsruhe. Statt die Verbesserung der Lebensbedingungen in die eigene Hand zu nehmen, scheint es jenen, die sich in erster Linie als Deutsche verstehen, zu reichen, nach unten treten zu dürfen. Ob Obdachlose, Arbeitslose oder Flüchtlinge: Die Revival feiernde Parole »Wir sind das Volk« macht zunehmend gewalttätig deutlich, wer dazugehören darf und wer nicht.

Auch wenn AfD-Gegner*innen aller Lager gerne so tun: Die Partei und ihr Fußtrupp auf der Straße sind nicht vom Himmel gefallen. Sie sind ideologische Abfallprodukte dieser Gesellschaft: »Nationalismus – die Sorge um Erfolg und Gedeih der eigenen Nation – ist keine Ausnahme, sondern der von Küchentisch bis Bundestag durchgesetzte Betrachtungsstandpunkt des gesamten Weltgeschehens« (Gruppe gegen Kapital und Nation Hamburg). Wer also jetzt bloß den Status Quo gegen AfD und Pegida verteidigen will, anstatt die gesellschaftlichen Verhältnisse in den Blick der Kritik zu rücken, macht sich der Verharmlosung jener Brutalität schuldig, die Ursache des Rechtsrucks ist und zum Bestehenden gehört wie die vollgepisste Jogginghose zum Pogrom.

Thomas Ebermann (Publizist, Theatermacher und ehemaliger Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen) wird bei der KANTINE3000 in gewohnt polemischer Manier über die deutschen Zustände im Jahr 2016 referieren. Und dabei viel rauchen (mutmaßlich).

KANTINE3000, das monatliche Kulturgedöns mit Barabend in der Roten Flora – wie stets mit stilvollen Getränken (Champagner), Essbarem (Kuchen, Muffins, Canapés) und Bier (Bier).

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12. März: Bundesweite Demo »Unser Feminismus bleibt antirassistisch« in Köln

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Das Jahr 2016 hat in vielen Städten Deutschlands mit Übergriffen auf Frauen* begonnen – auch in Köln. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen* ist in der Silvesternacht sichtbar geworden – unübersehbar in die öffentliche Debatte gezerrt. Wieso plötzlich das mediale Interesse? Die Thematisierung ist richtig und wichtig. Den Betroffenen der sexualisierten Übergriffe von Silvester – und aller sexualisierten Übergriffe, die alltäglich passieren – muss jegliche gewünschte Solidarität und Unterstützung zukommen. Es ging dabei jedoch nicht vorrangig um die Benennung sexualisierter Gewalt, sondern um die vermeintliche Herkunft der Täter – und das unverhohlen rassistisch: Im Verlauf wurde schnell nicht mehr über Sexismus gesprochen, sondern über die Verschärfung des Asylrechts, Abschottung und Abschiebung. Ein gängiges Fazit: Nicht der Sexismus in diesem Land sei das Problem, sondern die zu uns Geflüchteten. Jedoch: Sexismus ist nicht nach Deutschland eingewandert, Sexismus ist hausgemacht.

Bundesweite Demonstration: 12. März | 13 Uhr | Köln (Domplatte)
Infos und Aufruf zur Demo: www.reclaimfeminism.org

Es wird eine organisierte Busanreise aus Hamburg zur Demo geben: Los geht’s am Samstag, 12. März, um 6.30 Uhr morgens. Bustickets sind im Schanzenbuchladen (Schulterblatt 55) erhältlich. Der Buchladen hat geöffnet: Mo–Fr. 9.30–19 Uhr und Sa. 10–18 Uhr.

Außerdem werden die Tickets auf folgender Veranstaltung verkauft:

Aufschrei um den Sexismus der vermeintlich »Anderen«

08. März, 19 Uhr, Centro Sociale:
Nach den gewalttätigen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln, Hamburg und Stuttgart erleben wir bundesweit kontroverse Diskussionenund Forderungen um den Schutz „unserer“ Frauen und Kinder. Rechte,Nationale sowie konservative Christ_innen entdecken plötzlich ihrevermeintliche feministische, fortschrittliche und emanzipierte Seite. Eserhärtet sich jedoch der Verdacht, dass es ihnen dabei nicht um eineechte Auseinandersetzung mit Gewalt gegenüber Frauen und Kindern geht.Vielmehr beobachten wir aktuell, wie soziale Probleme, die die gesamte Gesellschaft, also auch Mehrheitsdeutsche betreffen, auf die »Fremden« verschoben und verlagert werden.

In dieser Situation sind die rassistischen Darstellungenund Aktionen, die der öffentliche Diskurs über geflüchtete Menschen und (vermeintliche) Muslim_innen zeichnet, dringend zu hinterfragen.Entsprechend werden auf dieser Veranstaltung die Funktionen analysiert,die die altbekannten und rekurrierten rassistischen Mythen und Bildererfüllen. Nicht zuletzt wird aufgezeigt werden, wie der kulturalisierte Sexismus individuelle, institutionelle und strukturelle Gewalt gegen dieals »Andere« Markierten als legitim erscheinen lässt und die Handlungsperspektiven von Menschen massiv einschränkt.

Referentin: Nissar Gardi, Erziehungswissenschaftlerin und Bildungsreferentin im Projekt empower- Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt von Arbeit und Leben Hamburg

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KANTINE3000 – Monatliches Kulturgedöns mit Barabend in der Roten Flora

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18. NOVEMBER | »RotZSchwul: Der Beginn einer Bewegung«
Der Autor und Blogger Jannis Plastargias liest aus seinem neuem Buch, das sich der Geschichte der Roten Zellen Schwul (RotZSchwul) widmet – eine Anfang der Siebzigerjahre entstandene Gruppe homosexueller Männer in Frankfurt/Main, die ihren Kampf für die sexuelle Emanzipation mit dem militanten Kampf gegen den Kapitalismus verband.
Veranstaltung in Kooperation mit dem queerfeministischen Magazin Krass – kritische Assoziationen.
Der komplette Ankündigungstext findet sich [hier].

02. DEZEMBER | Lesung mit Stefanie Sargnagel
Die in Deutschland noch relativ unbekannte Stefanie Sargnagel gilt in Österreich bereits als »wahrscheinlich beste Autorin der Welt« (VICE). In der Roten Flora wird die Wiener Schriftstellerin, deren literarische Produktpalette das Schönste aus Saufen, Rauchen und Punkrock-Attitüde kombiniert, aus ihrem neuen Buch »Fitness« lesen.
Der komplette Ankündigungstext findet sich [hier]

20. JANUAR | Lesung mit Jan Off
Der Schriftsteller Jan Off ist der Quentin Tarantino zeitgenössischer Pulp-Literatur. Die Storylines seiner preisgekrönten Kurzgeschichten und Romane sind dabei ähnlich bunt wie die traditionell farbbeutelverzierte Fassade des SPD-Parteibüros in St. Pauli.
Der komplette Ankündigungstext findet sich [hier]

14. September | »Verschwunden in Deutschland«
Lesung und Gespräch mit der Autorin Imke Müller-Hellmann, die sich auf Spurensuche nach den Lebensgeschichten von KZ-Opfern quer durch Europa begeben hat.
Der komplette Ankündigungstext findet sich [hier].

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19 Uhr in der Roten Flora (Achidi-John-Platz 1, 20357 Hamburg), der Eintritt ist selbstverständlich frei. Stilvoll wie wir nun mal sind, wird es stets dekadente Getränke (Champagner), Essbares (Kuchen, Muffins, Canapés) und Bier (Bier) geben.

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Dem rassistischen Terror ein Ende setzen – Refugees welcome! Aufruf zur antifaschistischen Kundgebung in Boizenburg am 23.10.

Nach dem Brandanschlag am 12.10. auf eine geplante Unterkunft für Geflüchtete will MVgida nun am Freitag erneut durch Boizenburg laufen. Der Brandanschlag wird dabei als Erfolg gefeiert und von den Veranstalter*innen widerwärtigerweise als legitime Form der Meinungsäußerung des sogenannten Volkes dargestellt.
Der Hintergrund: Bereits seit Jahresbeginn läuft der Mecklenburg Vorpommersche Ableger von Pegida fast jeden Montag durch kleinere Städte in MV. So auch vor vier Wochen am 21.09. durch Boizenburg unter dem perfiden Motto „Für die Zukunft unserer Kinder“. Mit starker regionaler Beteiligung lief die Demo unter rassistischen und nationalistischen Parolen ohne wahrnehmbaren Gegenprotest durch Boizenburg. Starke NPD-Prägung wurde durch Anwesende und Plakate deutlich. Der Brandanschlag drei Wochen später ist also kein Zufall, sondern ein Ergebnis der rassistischen Stimmungsmache MVgidas. Boizenburg ist außerdem kein unbeschriebenes Blatt, es gilt in der Region als braune Hochburg, rassistische Übergriffe und Gewalt gegen linke Jugendliche stehen an der Tagesordnung. Und das alles nur wenige Kilometer von der Hamburger Erstaufnahmestelle Horst entfernt.
Dass die Veranstalter*innen den Anschlag legitimieren und feiern wollen, können und dürfen wir nicht ignorieren. Zeigt den Refugees, dass wir sie willkommen heißen und lasst uns den rassistischen Mob nicht unkommentiert lassen!
Die Gegenkundgebung findet um 18 Uhr in Boizenburg statt. Weitere Infos folgen. Organisiert euch und fahrt nicht alleine. Treffpunkt ist die S-Bahn Station Sternschanze. Für alle ohne Auto fahren von dort um 16 Uhr Busse (5€).

Brandanschläge sind keine freie Meinungsäußerung, sondern rechter Terror! Kommt alle nach Boizenburg: Zeigt euch solidarisch und werdet aktiv.

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Buchvorstellung »Kampf um Kobanê – Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens «

27. Oktober | 19 Uhr | Rote Flora:

Der Kampf um Kobanê und Rojava ist eine zentrale Auseinandersetzung im Nahen und Mittleren Osten, in der alle relevanten Akteure auf die eine oder andere Weise involviert sind. Kobanê wird weiterhin die politischen Ereignisse in der Region prägen – sowohl den »Friedensprozess« zwischen der Türkei und der PKK als auch den Bürgerkrieg in Syrien. Der Konflikt bietet Anlass, zentrale politische Auseinandersetzungen neu aufzugreifen – wie etwa die Frage nach Gewalt als Mittel der Politik und nach dem Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung. Anders gesagt: Lässt sich eine basisdemokratische Gesellschaft durch Krieg verteidigen oder ist eine militärische Auseinandersetzung der Tod für jegliches emanzipatorische Projekt?

Ismail Küpeli, Herausgeber des Sammelbands »Kampf um Kobanê – Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens«, wird die Beiträge über die Situation in Rojava, die politische Lage in der Türkei, den blutigen Bürgerkrieg in Syrien und den »Islamischen Staat« präsentieren und die Überlegungen der AutorInnen zur Diskussion stellen. Angefragt ist außerdem Sebahattin Topcuoglu, der einen Beitrag zu Geschichte und Gegenwart der kurdischen Bewegung verfasst hat.

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Eine Veranstaltung von:
Gruppe für den organisierten Widerspruch
BUKO – Bundeskoordination Internationalismus
Interventionistische Linke Hamburg

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