»Islamismus – Analyse und Kritik eines modernen Fundamentalismus« | Mit Karl-Heinz Lewed

Mittwoch 17. Juni | 19 Uhr | Rote Flora

Das Phänomen des Islamismus wird in der westlich-bürgerlichen Öffentlichkeit zumeist kulturalistisch gedeutet: »Der Islam« als Religion sei maßgebliche Quelle des Islamismus, dieser wiederum habe ganz grundsätzlich mit der Geschichte der westlichen Zivilisation nichts zu tun. Er sei vormodern, weil seine Anschauungen aus überkommenen mittelalterlichen, religiös motivierten Denk- und Lebensformen stammten und gerade dadurch der individuellen Freiheit, dem Herzstück westlicher Lebensauffassung, diametral entgegenstünden.
Tatsächlich aber stehen sich in der Konfrontation von Islamismus und westlichem Kulturkämpfertum nicht zwei essentiell fremde Kulturen gegenüber – vielmehr hat man es mit zwei komplementären Verarbeitungsweisen der krisenkapitalistischen Globalisierung zu tun, deren gemeinsame Grundlage die moderne kapitalistische Vergesellschaftung über Warenproduktion, abstrakte Arbeit und Recht darstellt. Auch der Islamismus stellt sich letztlich als eine ideologische Verarbeitungsform des gesellschaftlichen Krisenprozesses dar.
Der Vortrag möchte dies anhand der Darstellung des nachholenden kapitalistischen Modernisierungsprozesses im »islamischem« Raum begründen: Nachgezeichnet wird die Entwicklung von antikolonialen Befreiungsbewegungen über die autoritären Modernisierungsregime bis hin zu deren historischem Endprodukt in Form islamistischer Bewegungen. Ausgehend von dem Verhältnis zwischen Allgemeininteresse des staatlichen Souveräns und Partikularinteresse der privaten Warensubjekte, werden islamistische Konzepte wie das »islamische Gesetz«, »göttliche Souveränität« und antiwestliche Verschwörungstheorien ideologiekritisch dechiffriert. Dabei wird auf islamistische Denker wie Osama bin Laden, Ayman al-Zawahiri und Sayid Qutb eingegangen.
So steht am Ende die Ideologiekritik des Islamismus als modernem Fundamentalismus.

Der Referent Karl Heinz Lewed ist freier Publizist und Mitarbeiter der wertkritischen Zeitschrift Krisis – Kritik der Warengesellschaft. Er ist Mitherausgeber des arbeitskritischen Sammelbandes „Dead Men Working“ und arbeitet vorwiegend zur Aufklärungskritik und Kritik der Rechtsform.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe:
»Islamic State of Mind?« Linke Positionen zu Islamismus, Antimuslimischem Rassismus und Antisemitismus

[Veranstaltung bei Facebook]

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